Dr. med. dent. Jörg Munack, M.Sc. M.Sc.

Dr. med. dent. Jens Becker, M.Sc. M.Sc.

2012: Die neue GOZ tritt in Kraft!

Der Bundesrat hat am 04.11.2011 zum 1. Januar 2012 eine neue Gebührenordnung für Privatleistungen /-behandlungen verabschiedet (GOZ). Diese neue Gebührenordnung wird die seit 1987 gültige Gebührenordnung ablösen.

Da die Softwarehäuser evtl. so schnell keine Updates auf den Weg bringen können, kann es bei der Erstellung von neuen Heil- und Kostenplänen Anfang des Jahres 2012 zu Verzögerungen kommen. Schon ausgestellte, aber noch nicht begonnene Heil- und Kostenpläne werden umgeschrieben werden müssen, eine neue Genehmigung ist in diesen Fällen aber nicht nötig. Die Veränderungen in diesen Umschreibungen werden den Gesamtbetrag nicht wesentlich verändern (s.u. „Was bedeutet das für unsere Patienten“).

Vielfach ist in den Medien die Horrormeldung verbreitet worden, dass die Zahnbehandlung im Jahr 2012 extrem viel kostenintensiver für Patienten wird. Tatsächlich ist vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und den Spitzenverbänden der Zahnärzteschaft eine (scheinbare) Erhöhung der Honorare um 6% gewollt gewesen.

Allein dieses wäre schon wenig genug, wenn man die vergangenen 24 Jahre allein die Inflationsrate heranzieht. Die Preissteigerungen der Zulieferer von Praxismaterial von bis zu 100% in den letzten 10 Jahren gar nicht einmal mitgerechnet.

Tatsächlich ist es so , dass die gewollten 6% Erhöhung auf Berechnungen mit Zahlen aus dem Jahr 2008 beruhen. Bezogen auf das Jahr 2011 ergibt sich rechnerisch im günstigsten Fall eine durchschnittliche Steigerung von vielleicht 4%. Die neue Gebührenordnung startet also per se schon nicht mit dem, was versprochen wurde.

Schaut man etwas weiter hinter die Kulissen, so stellt man fest, dass die durchschnittliche 6(4) prozentige Erhöhung allein darauf beruht, dass bestimmte Positionen in der Gebührenordnung extrem erhöht wurden. Leider sind das Leistungsbereiche, die im klinischen Alltag höchstselten vorkommen und somit keine wesentlichen Auswirkungen auf das Honorargefüge in der Praxis haben dürften (z.B. einflächige laborgefertigte Einlagefüllungen aus Keramik oder Gold, sog. Inlays, sind um 107% erhöht worden. Im Zeitraum 2008-2011 ist die Notwendigkeit der Erbringung einer solchen Leistung in unserer Praxis nicht einmal aufgetreten, Anm. d. Verf.)

Im Gegensatz dazu sind Leistungen weggefallen, die wegen der Überalterung im fachlichen Sinne auch nicht mehr angewendet werden. Das begrüßen wir sehr. Allerdings sind auch Leistungen weggefallen, bzw. mit anderen Leistungen zusammengefaß worden, die sehr wohl noch häufig zur Anwndung kommen. Gerade im Breich der zusammengelegten Leistungen haben in der Summe erhebliche Abwertungen stattgefunden, die so nicht tolerabel sind, da sie letztendlich zu einer Honorarminderung in nicht unerheblichem Maße führen. Und gerade hier sind Leistungen betroffen, die häufig zur Anwendung kommen. Das BMG hat es tsächlich geschafft, eine solche Mogelpackung unter dem Deckmantel einer scheinbaren Minimalerhöhung durchzusetzen.

Was bedeutet das für unsere Patienten?

Die Zahnärzte werden sich vermehrt darum kümmern müssen, ihre Leistungen entsprechend zu kalkulieren. Das geht prinzipiell wie bei jedem Handwerker oder Dienstleister. Es ist zunächst nicht einsehbar, für eine Leistung weniger zu bekommen, als in den vergangenen Jahren. Zum Zweiten ist es nicht tolerabel für eine Leistung im Privatbereich weniger zu bekommen, als von den gesetzlichen Krankenkassen. Davon waren alleine schon bis Ende 2011 etwa 30% der Leistungspositionen der GOZ ´87 betroffen.

Somit wird sich zunächst an dem tatsächlichen Euro-Betrag in Heil- und Kostenplänen im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht wesentlich etwas ändern. Da durch die indirekte Abwertung in der neuen Gebührenordnung sich allerdings die Basisfaktoren erhöhen werden, um zumindest das gleiche Honorar zu bekommen wie bisher, sollten Zahnarzt und Patient die Honorarhöhe vereinbaren. Dies sieht die Gebührenordnung ausdrücklich vor (§2 Abs. 1+2 GOZ), auch wenn (rein rechnerisch im Vergleich zu 2011) Faktoren oberhalb des 3,5fachen Satzes angesetzt werden müssen, um das gleiche Honorar der vergangenen Jahre zu erreichen. Da in der GOZ nur medizinisch notwendige Leistungen stehen, sind die Kostenerstatter gezwungen, diese Vereinbarungen ohne weiteres im tariflichen Umfang zu ersetzen. Sollten in den Verträgen auch Honorare über dem 3,5fachen Satz erstattet werden (betrifft viele Altverträge, Anm. d. Verf.), darf sich der Leistungserstatter auch dagegen nicht wehren.

Alle Fragen rund um Abrechnungen und Gebühren beantwortet Ihnen unser Team unter +49 (0) 511 – 51 51 48-0!

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