Dr. med. dent. Jörg Munack, M.Sc. M.Sc.

Dr. med. dent. Jens Becker, M.Sc. M.Sc.

Was tun, wenn der Zahn stirbt? Antworten von Ihrem Zahnarzt aus Hannover!

Wenn der Zahn schmerzt, ist das meistens ein Alarmsignal. Doch er kann auch ganz still leiden, ohne dass wir es merken. Dann kommt manchmal jede Hilfe zu spät und der Zahn stirbt. Ihr Zahnarzt Dr. Ulrich Fricke beantwortet wichtige Fragen rund um das Thema „toter Zahn“ und sagt Ihnen, wie Sie erkennen, dass Ihr Zahn Hilfe braucht.

Warum stirbt ein Zahn?

Dr. Ulrich Fricke: Die Hauptursache für das Absterben eines Zahns ist eine tiefe Karies. Bakterien reizen den Nerv und es kommt zu einer Entzündung, also Mehrdurchblutung und Schwellung der Blutgefäße im Zahn. Dadurch steigt der Druck an, worauf Nerven generell sehr empfindlich und schmerzhaft reagieren. Das Problem ist, dass der Druck nicht entweichen kann, denn das Nerven-Gefäßbündel ist im Weg. Es tritt an der engsten Stelle, der Wurzelspitze, ein und wieder aus. Der Zahn stranguliert sich also quasi selbst. Weitere Ursachen sind mechanische Reizungen, etwa durch eine sehr große Füllung, die zu nah an den Nerven heranreicht, oder Hitzeschäden durch zu wenig Kühlung beim Abschleifen eines Zahns.

Woran merke ich, dass ein Zahn stirbt?

Dr. Ulrich Fricke: Wenn der Druck im Zahn steigt, macht sich das durch starke Schmerzen bemerkbar. Dann heißt es: ab zum Zahnarzt! Die Schmerzen lassen erst nach, wenn der Nerv abgestorben und der Zahn tot ist.

Machmal stirbt ein Nerv allerdings auch völlig unbemerkt, wenn der Zahn durch eine große Füllung oder Krone versorgt wurde. In diesem Fall bildet der Zahn zur Füllung oder Krone hin einen Schutzwall, so genanntes Tertiärdentin. Der Nerv zieht sich dann, oftmals über Jahre, langsam zurück und stirbt ab.

Der Zahn ist tot und tut nicht mehr weh. Dann ist doch alles in Ordnung, oder?

Dr. Ulrich Fricke: Wenn ein Zahn abgestorben ist, bleiben tote Gewebereste im Zahn zurück. Der Körper hat immer das Ziel, diese Gewebereste zu entfernen. Auch in diesem Fall kommt es über die Zeit zu einer Entzündungsreaktion, also einer Schwellung und Mehrdurchblutung. In diesem Fall ist der Knochen um die Wurzelspitze des Zahns betroffen. Lässt man das unbehandelt, führt das zu einer Auflösung des Knochens bis hin zur Lockerung und Verlust des Zahnes.

Wie kann der Zahnarzt helfen?

Dr. Ulrich Fricke: Für den Fall, dass der Zahn noch lebt, ist es wichtig, die Ursache für die Schmerzen so früh wie möglich zu behandeln – also zum Beispiel die Karies zu entfernen und den Zahn mit einer Füllung zu versorgen. Hierfür gibt es spezielle Medikamente, die zwischen Nerv und Füllung gelegt werden, um den Nerv zu beruhigen und zu schützen. Halten die Schmerzen allerdings auch nachts an oder verschwinden nach einem Kältereiz nur ganz langsam wieder, ist es oft zu spät für lebenserhaltende Maßnahmen. In diesem Fall spricht man von einer irreversiblen Pulpitis.

Ist der Nerv bemerkt oder unbemerkt abgestorben, führt ebenfalls kein Weg an einer Wurzelkanalbehandlung (Endodontie) vorbei, um den Zahn langfristig zu erhalten.

Wurzelkanalbehandlung? Das hört sich schmerzhaft an. Gibt es keine anderen Möglichkeiten?

Dr. Ulrich Fricke: Normalerweise ist es immer möglich, einen Zahn so gut zu betäuben, dass eine Wurzelkanalbehandlung schmerzfrei für den Patienten durchgeführt werden kann. Wenn der Zahn oder das umliegende Gewebe allerdings sehr stark entzündet ist, können die Wirkung und der Wirkungseintritt der Betäubung reduziert oder stark verzögert sein. Das liegt daran, dass der Körper – bedingt durch das saure Milieu jeder Entzündung – das Betäubungsmittel neutralisiert. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch bei leichteren Beschwerden frühzeitig seinen Zahnarzt aufzusuchen.

Was heißt das, wenn Wurzelkanäle aufbereitet werden und warum müssen die Wurzellängen bestimmt werden?

Dr. Ulrich Fricke: Das Ziel der Wurzelkanalbehandlung ist die Desinfektion und dauerhafte Versiegelung des gesamten Wurzelkanalsystems.

Dafür werden die Kanäle mit Feilen sowohl mechanisch erweitert als auch chemisch desinfiziert. Das geschieht durch verschiedene antibakterielle Spüllösungen. Damit auch wirklich sämtliches abgestorbenes Gewebe entfernt wird, ist es wichtig, die genaue Länge des Wurzelkanals zu ermitteln. Mittels sogenannter endometrischer Längenbestimmung ist es heutzutage möglich, sehr exakt das Ende des Wurzelkanals zu bestimmen.

Was ist eine Wurzelkanal-Revision und in welchen Fällen kann den Patienten damit geholfen werden?

Dr. Ulrich Fricke: Eine Wurzelkanalrevision ist das Entfernen der Wurzelfüllung eines bereits in der Vergangenheit am Wurzelkanal behandelten Zahns.

Eine Revisionsbehandlung ist dann notwendig, wenn sich die alte Wurzelfüllung erneut infiziert hat und es zu einer Entzündung des Knochens an der Wurzelspitze gekommen ist. Schuld daran sind oft undichte Füllungen oder Kronenränder, durch die es zu einer Einwanderung von Bakterien aus der Mundhöhle in den Zahn kommt. Eine weitere Ursache ist die unzureichende Wurzelfüllung der Kanäle, beziehungsweise das Übersehen von kleinen Nebenkanälen, so dass noch vorhandenes Restgewebe das umliegende knöcherne Gewebe reizt. Oftmals kompensiert die körpereigene Immunabwehr diese bakterielle Besiedlung des Knochens, so dass eine Re-Infektion oft nur zufällig bei der regelmäßigen Routineuntersuchung auffällt.

Daher ist es ratsam, am Wurzelkanal behandelte Zähne regelmäßig auch einer Kontrolle mit Röntgenaufnahmen (durch Digitales Röntgen) zu unterziehen.

Wie halte ich meine Zähne lange am Leben?

Dr. Ulrich Fricke: Da halte ich mich an den Dichter Eugen Roth:

Damit es nicht erst kommt zum Knaxe,
erfand der Mensch die Prophylaxe.
Doch lieber beugt der Mensch, der Tor,
sich vor der Krankheit als ihr vor.

Nein, Spaß beiseite: Mit einer regelmäßigen Individualprophylaxe kann man Schäden an der Zahnwurzel optimal vorbeugen. Bei einer Kontrolle sehen wir, ob es den Zähnen gut geht oder ob möglicherweise Risiken für Entzündungen vorliegen. Ist das der Fall, können wir sofort handeln. Dann hat der Zahn gute Chancen, zu überleben!

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