Dr. med. dent. Jörg Munack, M.Sc. M.Sc.

Dr. med. dent. Jens Becker, M.Sc. M.Sc.

Knochenaufbau / Weich­gewebs­rekonstruktion

Durch Zahnverlust, fortschreitenden natürlichen Knochenrückgang (Atrophie) oder Entzündungsprozesse (zum Beispiel eine Parodontitis) wird sich der zur Verfügung stehende Knochen zunehmend reduzieren. Mit den Methoden der Knochenregeneration kann auch bei fehlender Höhe oder Breite des Kieferknochens wieder ein ausreichendes Volumen an vitalem Eigenknochen gewonnen werden.

In vielen Fällen reicht der kombinierte Einsatz von Regenerationsmaterialien (z. B. Knochengranulaten und Membranfolien) und atraumatisch gewonnenem Kieferknochen zur Knochenneubildung aus. Diese innovativen Techniken sind wissenschaftlich anerkannt und ausreichend untersucht.

Im seitlichen Oberkiefer kann bei starker Ausdehnung der Kieferhöhlen oder zu geringer Knochenhöhe für ein Implantat mit der sogenannten Sinuslift-Technik natürlicher Knochen als Basis für implantatverankerte Zahnkronen geschaffen werden.

Sinuslift

Der Sinuslift beschreibt den Knochenaufbau im Oberkieferseitenzahnbereich bei fehlender Knochenhöhe für ein Implantat. Der Begriff leitet sich vom Ort des Geschehens ab, der Kieferhöhle, dem Sinus maxillaris (eine der Nasennebenhöhlen). Beim Zahnverlust im Oberkieferseitenzahnbereich und längerem Belassen der Lücke ohne Therapiemaßnahmen nimmt das Knochenvolumen wie bei jedem Zahnverlust sowohl in der Breite als auch in der Höhe ab. Dadurch wird in diesem Bereich die Knochenbrücke zwischen Mund- und Kieferhöhle immer niedriger.

Für den Einsatz eines Implantates sind jedoch zehn Millimeter Knochenhöhe ratsam. Ist diese Menge an Knochen nicht mehr vorhanden, sollte sie chirurgisch aufgebaut werden. Dazu wird über einen chirurgischen Zugang vom Kieferkamm oder vom Mundvorhof aus die Kieferhöhlenschleimhaut gelöst und angehoben, sozusagen „geliftet“. In dem entstandenen Hohlraum wird dann die gewünschte Knochenhöhe durch Einbringen von Knochenersatzmaterial, Eigenknochen oder einer Kombination aus beidem realisiert.

Bis zu einer Restknochenhöhe von drei bis fünf Millimetern kann der Knochenaufbau mittels Sinuslift gleichzeitig mit dem Einbringen des Implantates erfolgen. Je nach Umfang des aufzubauenden Knochenvolumens liegt die Einheilungszeit des Implantates dann bei sechs bis neun Monaten. Bei dünneren Knochenverhältnissen ist im Einzelfall ein zweizeitiges Vorgehen ratsam, bei dem zuerst der Knochen aufgebaut und dann nach einer Einheilung von etwa sechs bis neun Monaten das Implantat eingesetzt wird. Hier muss dann noch die Einheilung des Implantates abgewartet werden (mindestens vier Monate).

PRGF – Wachstum und Regeneration

PRGF steht für „Plasma Rich in Growth Factors“ – also „reich an Wachstumsfaktoren“. Mit diesem Verfahren können wir den Knochenaufbau unterstützen und die Wundheilung und Einheilzeit der Implantate beschleunigen. Mit dieser Methode nutzen wir einen bekannten Mechanismus des Körpers, der nach Verletzungen ganz bestimmte Verbindungen von Proteinen freisetzt, um die Wundheilung zu beschleunigen. Vor einer Implantation entnehmen wir dem Patienten etwas Blut, das wir zentrifugieren, um Blutplasma daraus zu gewinnen. Diese Fibrinmembran tragen wir während des Eingriffs auf die Wundflächen auf und nutzen sie, um kleinere freiliegende Knochenareale oder Augmentationen abzudecken.